vor 3 Wochen
Hallo Community!
Mit der Überschrift "Steckdose" habe ich natürlich tief in die Clickbait-Kiste gegriffen. Mehr Spannung, mehr Drama, mehr Adrenalin geht kaum. Aber nun seid ihr hier, der Klick ist passiert – und wenn ihr schon einmal da seid, kann ich euch auch erzählen, warum eine unscheinbare Steckdose interessanter ist, als sie aussieht.
Es gibt Smart-Home-Geräte, die schon beim Auspacken nach Technik aussehen. Kameras mit Motoren. Sensoren mit Radar. Schalter mit mehreren Tasten. Displays. Sirenen. Thermostate. Geräte, bei denen sofort klar ist: Darüber kann man etwas erzählen.
Und dann gibt es eine Steckdose.
Eine Unterputz-Steckdose.
Von außen betrachtet ist das vielleicht eines der langweiligsten Geräte im gesamten Smart Home. Sie sitzt in der Wand, sieht aus wie eine Steckdose und macht im Idealfall genau das, was eine Steckdose eben machen soll: Strom liefern.
Da könnte man fragen: Warum um alles in der Welt schreibt man darüber einen Artikel?
Die Antwort ist einfach: Weil diese Steckdose nur so tut, als wäre sie langweilig.
Die Aqara Smart Wall Outlet H2 EU sieht auf den ersten Blick völlig unspektakulär aus. Kein Display, kein Schalterfeld, keine Lichtshow. Sie ist eine smarte Schuko-Unterputzsteckdose für den europäischen Markt.
Konkret geht es um:
Aqara Smart Wall Outlet H2 EU Retail-Modell: WP-P01D Zigbee-Modell: lumi.plug.aeu001
Und ja, natürlich kann sie eine angeschlossene Lampe oder ein Gerät ein- und ausschalten. Das wäre bei einer smarten Steckdose nun wirklich das absolute Minimum.
Interessant wird sie aber erst danach.
Denn diese Steckdose kann deutlich mehr:
aktuelle Leistung in Watt messen
Energieverbrauch erfassen
Spannung und Strom melden
Gerätetemperatur bereitstellen
LED-Anzeige steuern
physische Taste sperren
Verhalten nach Stromausfall festlegen
Lade-/Schutzfunktionen nutzen
Ladegrenzen setzen
Überlastschutz konfigurieren
Plötzlich ist sie nicht mehr nur eine Steckdose. Sie ist ein kleines Mess- und Steuergerät in der Wand.
Und genau solche Geräte sind im Smart Home oft die spannenden: nicht, weil sie spektakulär aussehen, sondern weil sie zuverlässig im Hintergrund arbeiten und dort Informationen liefern, wo man sie im Alltag wirklich gebrauchen kann.
SmartThings kann viele Zigbee-Geräte grundsätzlich erkennen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass alle Funktionen sauber abgebildet werden.
Bei der Aqara H2 Wall Outlet EU passiert genau das: Mit einem generischen SmartThings-Treiber kann das Gerät zwar irgendwie erkannt werden, aber eben nicht vollständig. Einzelne Grundfunktionen funktionieren möglicherweise, andere Spezialfunktionen bleiben verborgen oder werden nicht richtig zugeordnet.
Minimale Funktionalität mit dem Standard-Treiber
Das ist bei dieser Steckdose besonders schade, weil ein großer Teil ihres Nutzens gerade in diesen Zusatzfunktionen liegt.
Eine smarte Steckdose, die nur ein- und ausschaltet, ist nett.
Eine smarte Steckdose, die zusätzlich Leistung, Verbrauch, Schutzfunktionen und Verhalten nach Stromausfall sauber in SmartThings bringt, ist deutlich interessanter.
Deshalb gibt es nun einen eigenen SmartThings Zigbee Edge Driver für die Aqara Smart Wall Outlet H2 EU.
Und ja: Das ist schon wieder ein Treiber für dieselbe Person, die nicht zum ersten Mal einen Spezialtreiber von mir bekommt: zuerst für eine Glühbirne, dann für einen Wandschalter.
Andere schreiben auf LinkedIn eine mehrteilige Serie darüber, dass sie jemandem am Bahnhof einen Euro gegeben haben. Tue Gutes und rede darüber. Ich schreibe Edge Driver für störrische Zigbee-Geräte. Oder in diesem Fall: Schreibe einen Treiber und erkläre, warum eine Steckdose komplizierter ist, als sie aussieht.
Der Treiber bildet die Aqara H2 Wall Outlet EU als das ab, was sie sein soll: eine smarte Steckdose mit Messwerten und erweiterten Aqara-Einstellungen.
Im Alltag bedeutet das:
Schalten der Steckdose
Anzeige der aktuellen Leistung
Anzeige des Energieverbrauchs
Anzeige weiterer Messwerte, soweit sie vom Gerät geliefert werden
LED-Anzeige ein- und ausschalten
physische Taste sperren
Verhalten nach Stromausfall festlegen
Lade-/Schutzfunktion konfigurieren
Ladegrenze setzen
Überlastschutz konfigurieren
Damit wird aus der Steckdose nicht nur ein Schaltaktor, sondern ein Baustein für sinnvolle Automationen.
Der offensichtlichste Einsatz ist natürlich simpel:
Lampe einschalten
Gerät ausschalten
Verbraucher zeitgesteuert steuern
bestimmte Steckdosen bei Abwesenheit abschalten
Aber mit Messwerten wird es interessanter.
Eine Steckdose mit Leistungsmessung kann anzeigen, ob ein angeschlossenes Gerät wirklich läuft. Daraus ergeben sich Routinen, die mit einer einfachen Schaltsteckdose nicht möglich wären.
Beispiele:
Wenn die Leistung der Waschmaschine unter 5 W fällt: → Benachrichtigung senden: Waschmaschine ist fertig.
Wenn ein Gerät dauerhaft ungewöhnlich viel Leistung zieht: → Steckdose ausschalten → Benachrichtigung senden
Wenn niemand zu Hause ist: → bestimmte Steckdosen ausschalten
Wenn die Steckdose nach einem Stromausfall wieder online ist: → gewünschten Einschaltzustand wiederherstellen
Gerade fest verbaute Steckdosen sind interessant, weil sie nicht wie Zwischenstecker auffallen. Sie verschwinden im Alltag. Und genau deshalb sollten sie zuverlässig und sauber in SmartThings integriert sein.
Der Treiber stellt mehrere Aqara-spezifische Funktionen als SmartThings-Einstellungen bereit.
Die LED-Anzeige der Steckdose kann ein- oder ausgeschaltet werden.
Das klingt banal, ist aber im Alltag praktisch. Nicht jede Steckdose muss nachts sichtbar leuchten.
Die physische Taste an der Steckdose kann gesperrt werden.
Das ist sinnvoll, wenn die Steckdose nicht versehentlich manuell ausgeschaltet werden soll. Zum Beispiel bei Geräten, die dauerhaft verfügbar bleiben sollen oder deren Zustand über Routinen gesteuert wird.
Hier wird festgelegt, wie sich die Steckdose nach einem Stromausfall verhalten soll.
Mögliche Varianten:
einschalten
ausgeschaltet bleiben
vorherigen Zustand wiederherstellen
invertiertes Verhalten
Bei fest installierten Geräten ist das wichtiger, als es zunächst klingt. Nach einem Stromausfall soll nicht plötzlich alles in einem unerwarteten Zustand starten.
Die Steckdose bietet Funktionen rund um Ladeverhalten und Ladebegrenzung.
Das kann interessant sein, wenn Geräte nicht dauerhaft weiter versorgt werden sollen, nachdem ein bestimmter Zustand erreicht wurde.
Der Überlastschutz erlaubt es, eine Leistungsgrenze zu setzen.
Bei einer fest eingebauten Steckdose ist das nicht nur eine Komfortfunktion, sondern auch eine sinnvolle Schutzfunktion.
Die Installation erfolgt wie bei anderen SmartThings Edge Drivers über einen Treiberkanal.
Der Ablauf ist grundsätzlich:
Mit dem Samsung Account anmelden.
Den SmartThings Hub für den Kanal registrieren.
Den Treiber Aqara H2 Wall Outlet EU installieren.
Die Steckdose aus SmartThings entfernen, falls sie bereits mit einem generischen Treiber verbunden ist.
Steckdose zurücksetzen.
Gerät neu hinzufügen.
Falls das Gerät bereits mit einem generischen SmartThings-Treiber eingebunden war, kann ein Treiberwechsel manchmal funktionieren. Bei Geräten mit spezieller Endpunkt- und Konfigurationslogik ist ein sauberes Entfernen und erneutes Hinzufügen aber meist die bessere Variante.
Bis hierhin reicht eigentlich die Alltagssicht. Die Steckdose hat mehr Funktionen als man erwartet, der Treiber macht sie in SmartThings nutzbar, und daraus entstehen sinnvolle Routinen.
Wer es technischer mag, findet den eigentlichen Grund für den Aufwand unter der Haube.
Die Aqara H2 Wall Outlet EU ist intern nämlich nicht einfach eine Steckdose mit einem einzigen Zigbee-Endpunkt.
Sie arbeitet mit mehreren Endpunkten und unterschiedlichen Datenpfaden:
Endpoint 1 → Messwerte, elektrische Daten, Temperatur, Aqara-Einstellungen Endpoint 2 → eigentliche Schaltfunktion der Steckdose Endpoint 21 → spezielle Leistungsmessung über AnalogInput
Das ist der entscheidende Punkt.
Ein generischer Treiber kann so ein Gerät falsch interpretieren. Er sieht mehrere Schalter- oder Messpfade und entscheidet sich unter Umständen für die naheliegende, aber falsche Abbildung.
Bei dieser Steckdose ist besonders wichtig:
Die eigentliche Steckdose wird über Endpoint 2 geschaltet.
Die bevorzugte Leistungsmessung läuft über Endpoint 21.
Viele Spezialfunktionen liegen im Aqara-Herstellercluster 0xFCC0.
Einige Messwerte kommen über Aqara/Xiaomi-Aggregatdaten.
Der Treiber muss also nicht nur „einen Schalter“ bereitstellen. Er muss verstehen, welcher Endpunkt wofür zuständig ist.
Viele der interessanten Funktionen liegen im Aqara-Herstellercluster:
Cluster: 0xFCC0 Manufacturer Code: 0x115F
Dort befinden sich unter anderem die Einstellungen für:
LED-Anzeige
Button Lock
Lade-/Schutzfunktion
Ladegrenze
Überlastschutz
Verhalten nach Stromausfall
Ohne diesen Bereich sieht man nur einen Teil des Geräts.
Das ist der Grund, warum ein generischer Treiber zwar vielleicht Grundfunktionen erkennt, aber nicht die eigentlichen Aqara-spezifischen Möglichkeiten sichtbar macht.
Ein weiterer Knackpunkt sind die Messwerte.
Leistung und Energie lassen sich über bekannte Pfade relativ gut behandeln. Bei Spannung, Strom und Gerätetemperatur wurde es komplizierter.
Einige Werte werden nicht unbedingt dort geliefert, wo man sie bei einem normalen Zigbee-Gerät erwarten würde. Stattdessen nutzt Aqara spezielle Aggregatdaten. Darin sind mehrere Werte in einem gemeinsamen Datenpaket zusammengefasst.
Der Treiber muss diese Pakete vorsichtig zerlegen, bekannte Werte herauslesen und unbekannte Bestandteile überspringen, ohne die gesamte Auswertung zu beschädigen.
Das klingt nach viel Aufwand für eine Steckdose.
Ist es auch.
Aber genau dieser Aufwand sorgt am Ende dafür, dass SmartThings nicht nur „irgendeine Steckdose“ sieht, sondern möglichst viel von dem versteht, was Aqara tatsächlich eingebaut hat.
Die Aqara Smart Wall Outlet H2 EU ist äußerlich ein Gerät, an dem man schnell vorbeisieht.
Sie hängt nicht prominent an der Wand, sie hat keine Show-Funktion, und niemand wird beim Betreten des Raumes sagen: „Wow, was ist das denn für eine Steckdose?“
Aber genau solche Geräte machen ein Smart Home im Alltag besser.
Sie schalten zuverlässig. Sie messen Verbrauch. Sie liefern Zustandsinformationen. Sie helfen bei Automationen. Sie verschwinden optisch im Raum und machen trotzdem im Hintergrund ihren Job.
Mit dem passenden SmartThings Edge Driver wird aus der vermeintlich langweiligen Steckdose ein deutlich interessanteres Gerät:
nicht laut, nicht spektakulär, aber nützlich.
Und manchmal ist genau das die beste Art von Smart Home.
Kurzer Disclaimer: Das ist natürlich keine Werbung für Aqara. Der Treiber ist auf Anfrage entstanden – für jemanden, dessen Aqara-Begeisterung man vorsichtig als „fortgeschritten“ bezeichnen könnte. Ich mache solche Treiberprojekte aber gerne, weil Zigbee mit seinen Eigenheiten, Hersteller-Clustern und kleinen Überraschungen immer wieder für Unterhaltung sorgt, wie man in den Kommentaren hier sehen kann.
Ich selbst bin bei neuen Geräten inzwischen größtenteils bei Matter-over-Thread angekommen und verwende bei Steckdosen einen anderen Hersteller, den ich selbstverständlich nach streng wissenschaftlichen, vollkommen unvoreingenommenen Maßstäben für besser halte.
vor 3 Wochen
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Perfekte Information...mal sehen was ich noch so finde 😁
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